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Die Produktivität des biologischen und biodynamischen Weinbaus in einem sich wandelnden Klima
€45.00 (inkl. MwSt.)
Specifiche
| Unterricht | 1 |
|---|---|
| Dauer | 20 Minuten |
| Typologie |
In stock
DESCRIZIONE
DESCRIPTION
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Descripción
Prof. Johanna Doering vom Institut für Weinbau der Hochschule Geisenheim präsentierte die Ergebnisse des InBiodin-Projekts, einer 2005 begonnenen Langzeitstudie zur Bewertung der Produktivität von Weinbausystemen im Zusammenhang mit dem Klimawandel.
Das InBiodin-Projekt: Versuchsaufbau
Der Vergleich umfasst drei auf Riesling angewandte Anbausysteme. Das integrierte System sieht Winterbegrünung mit Gräsern, zweimalige Herbizidanwendung in der Unterzeile pro Jahr, moderate Mineraldüngung und Pflanzenschutz mit synthetischen Fungiziden sowie Verwirrmethode vor. Das ökologische System, durchgeführt nach EU-Verordnung und Ecovin-Richtlinien, nutzt hingegen artenreiche, leguminosenreiche Begrünung, mechanische Unterstockbearbeitung, Düngung mit Stallmistkompost und Pflanzenschutz basierend auf Kupfer, Schwefel und Bikarbonat. Das biodynamische System, das EU-Standards und Demeter-Richtlinien erfüllt, folgt dem gleichen Ansatz wie das ökologische System mit zusätzlichen biodynamischen Präparaten für Kompost und Blattspritzungen.
Die Versuchsanlage befindet sich im Rheingau, auf etwa einem Hektar, 1991 gepflanzt mit den Unterlagen Börner und SO4, mit vier randomisierten Wiederholungen pro System. Es handelt sich um einen Systemvergleich in seiner Komplexität, nicht um einen Versuch zu einzelnen Parametern.
Ertragsergebnisse: die Rolle heißer und trockener Jahre
Die Analyse der Zeitreihe 2006-2023 zeigt durchschnittlich 14-17% niedrigere Erträge in den ökologischen und biodynamischen Systemen im Vergleich zum integrierten System. Die Hauptursachen sind eine veränderte Traubenstruktur mit geringerer Beerenzahl und kleineren Beeren sowie in spezifischen regenreichen Jahrgängen wie 2012 und 2013 Verluste durch Peronospora. In heißen und trockenen Jahren wie 2018, 2019, 2020 und 2022 erreichten oder übertrafen die ökologischen und biodynamischen Systeme jedoch die integrierten Erträge.
Der Wendepunkt
Eine vertiefte Analyse zeigt einen Schlüsselmoment um 2014-2015, nach dem sich die Ertragsleistung der ökologischen Systeme deutlich verbessert. Dieser Bruchpunkt fällt mit zwei Faktoren zusammen: einer Stabilisierungsphase nach der Umstellung und einem progressiven Anstieg der Temperaturen während der Vegetationsperiode. Die Daten zur Temperatursumme von Austrieb bis Lese zeigen tatsächlich einen signifikanten Wachstumstrend der Temperaturen im Versuchszeitraum, mit besonders hohen Werten gerade in den Jahren, in denen die biologischen Systeme die besten Leistungen erbrachten.
Die Ergebnisse deuten auf einen kombinierten Effekt zwischen der für die Systemstabilisierung nach der Umstellung notwendigen Zeit und einer realen Anpassung an heißere und trockenere Klimabedingungen hin. Mit anderen Worten zeigen ökologische und biodynamische Systeme besondere Resilienz, wenn die klimatischen Bedingungen belastender werden.
Mögliche Resilienzmechanismen
Die Forschungsgruppe hat drei Hypothesen identifiziert, um die besseren Leistungen unter Stressbedingungen zu erklären. Die erste betrifft die Verfügbarkeit von Stickstoff: In biologischen und biodynamischen Systemen ist mehr Stickstoff im Boden verfügbar und der Aminosäuregehalt im Most ist höher, selbst unter Hitze- und Trockenheitsbedingungen, was auf eine effektivere Aufnahme von Stickstoffressourcen hindeutet.
Die zweite Hypothese betrifft die veränderte Durchwurzelung. Entgegen den ursprünglichen Erwartungen, tiefere Wurzeln zu finden, zeigen vorläufige Analysen eine bessere Durchwurzelung der oberen Bodenschichten, wahrscheinlich im Zusammenhang mit der Verbesserung der Struktur und Bodenbedingungen im Laufe der Zeit durch ökologische Bewirtschaftung.
Die dritte Hypothese betrifft das Bodenmikrobiom. Während der Artenreichtum der Pilze zwischen den Systemen ähnlich ist, ist die Zusammensetzung der Pilzgemeinschaften zwischen integriert, ökologisch und biodynamisch grundlegend unterschiedlich. Derzeit laufen Studien, um diese taxonomische Vielfalt mit spezifischen ökologischen Funktionen zu verknüpfen, die die größere Resilienz gegenüber Trockenstress erklären könnten.
Zukunftsperspektiven
Die Forschung wird mit detaillierten Analysen der Wurzeldichte, der Überwachung der physiologischen Aktivität der Pflanzen und einer funktionellen Untersuchung des Mikrobioms fortgesetzt. Die Gesamtergebnisse deuten darauf hin, dass biologische und biodynamische Systeme, sobald sie sich stabilisiert haben, eine größere Klimaresilienz aufweisen, was für die Zukunft des Weinbaus immer wichtiger wird.
Der in diesem Video wiedergegebene Bericht wurde während des Enoforum BIO 2025 vorgestellt (Online | Präsenzveranstaltung: Piacenza, 24. Oktober 2025).